Ein Intraoralscanner, eine Fräse oder ein 3D-Drucker allein bringt noch keinen digitalen Workflow. Entscheidend ist, ob die Geräte zusammenpassen – mit Ihrer Software, Ihren Materialien, Ihrem Labor oder Ihren Praxen. Fehlkäufe entstehen deshalb selten am Gerät selbst, sondern an Lizenzen, Dateiformaten, Materialfreigaben und laufenden Kosten, die vorher niemand angesprochen hat.
Dieser Ratgeber geht die digitale Kette Schritt für Schritt durch: Scannen, Konstruieren, Fräsen, Drucken und Sintern. Für jeden Schritt finden Sie die gängigen Varianten mit ihren Stärken und Grenzen, einen herstellerneutralen Überblick und die Fragen, die Sie vor dem Kauf klären sollten – ob neu oder gebraucht.
Inhalt
- Die digitale Kette im Überblick
- Offen oder geschlossen? Die wichtigste Entscheidung vorab
- Scannen: Intraoralscanner und Laborscanner
- Konstruieren: CAD-Software
- Fertigen I: Fräsen und Schleifen
- Fertigen II: 3D-Druck
- Nachbearbeiten: Sinter- und Keramiköfen
- Welches Setup passt zu Ihnen?
- CAD/CAM gebraucht kaufen
- Service, Reparatur und Ersatzteile
- Häufige Fragen
1. Die digitale Kette im Überblick – und wer was braucht
Jede CAD/CAM-Versorgung durchläuft dieselben vier Stationen:
- Scannen – die Situation wird digital erfasst, im Mund oder am Modell.
- Konstruieren – die Versorgung wird am Bildschirm gestaltet.
- Fertigen – eine Fräse trägt Material aus einem Rohling ab, ein 3D-Drucker baut es Schicht für Schicht auf.
- Nachbearbeiten – Zirkonoxid und Lithiumdisilikat erreichen ihre Endfestigkeit erst im Ofen, gedruckte Teile müssen gewaschen und nachgehärtet werden.
Wer welche Station übernimmt, ist der eigentliche Kern Ihrer Kaufentscheidung:
- Die Praxis scannt, konstruiert und fertigt selbst, oft in einer Sitzung.
- Die Praxis scannt (oder formt konventionell ab), das Labor konstruiert und fertigt.
- Dazwischen gibt es jede Mischform – etwa die Praxis, die Schienen und Modelle selbst druckt, Kronen aber weiterhin beim Labor bestellt.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Gerät die Rollen zu klären: Was fertigen Sie selbst, was gibt es außer Haus – und mit wem tauschen Sie Daten aus?
2. Offen oder geschlossen? Die wichtigste Entscheidung vorab
Bevor es um einzelne Geräte geht, steht eine Grundsatzfrage: Wollen Sie ein integriertes System aus einer Hand oder offene Komponenten, die Sie frei kombinieren?
Integrierte (geschlossene) Systeme sind aufeinander abgestimmt: Scanner, Software, Fertigungsgerät und Materialien kommen vom selben Anbieter oder aus einem festen Partnernetz. Das bringt einen eingespielten Workflow – validierte Materialien und einen Ansprechpartner für alles. Der Preis dafür ist Bindung: an die Software und deren Lizenzmodell, an freigegebene Materialien und an den Service des Anbieters. Die laufenden Kosten liegen bei geschlossenen Systemen häufig höher.
Offene Systeme lassen Sie Scanner, Software, Fräse, Drucker und Material frei wählen und mit jedem Labor zusammenarbeiten. Dafür tragen Sie mehr Verantwortung: Schnittstellen müssen funktionieren, und wer Fremdmaterialien einsetzt, ist für deren Validierung mitverantwortlich – beim 3D-Druck auch im Sinne der Medizinprodukte-Verordnung (MDR).
Wichtige Info zu offenen und integrierten Systemen:
Viele Systeme exportieren Scandaten inzwischen in Standardformaten, binden aber Design-Funktionen, Materialien oder Updates an Lizenzen. Schauen Sie deshalb an jeder Schnittstelle einzeln hin:
| Schnittstelle | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Scanner → Labor/CAD | Export in STL, PLY oder OBJ, ohne Zusatzlizenz? Unterstützt Ihr Labor das Portal des Herstellers? |
| CAD → Fräse/Drucker | Kann das Fertigungsgerät Daten aus fremder CAD-Software verarbeiten? |
| Fräse → Material | Nur Rohlinge des Herstellers bzw. seiner Partner oder auch andere? |
| Drucker → Harz | Geschlossenes Materialsystem, zertifizierte Partnerharze oder freie Harzwahl? |
| Ofen → Zirkon | Sind die Sinterprogramme für Ihr Material freigegeben oder frei programmierbar? |
| Lizenz → Weiterverkauf | Ist die Software an Gerät, Person oder Firma gebunden – und übertragbar? |
3. Scannen: Intraoralscanner und Laborscanner
Intraoralscanner ersetzen in der Praxis die konventionelle Abformung. Sie sind der häufigste Einstieg in die digitale Kette – auch für Praxen, die selbst nichts fertigen, sondern die Daten ans Labor schicken. Laborscanner (Modellscanner) digitalisieren im Labor Gipsmodelle und Abformungen und sind dort das Bindeglied zu Praxen, die noch analog arbeiten.
Bei Intraoralscannern unterscheiden sich die Geräte heute weniger in der Grundfunktion als in Handhabung (Größe und Gewicht des Handstücks, kabelgebunden oder kabellos, Cart oder Laptop) und vor allem im Kosten- und Lizenzmodell. Manche Hersteller setzen ab dem zweiten Jahr auf ein Service- oder Software-Abo, andere bieten Varianten ohne laufende Kosten. Auch „offener Export“ heißt nicht automatisch, dass alles offen ist: Der Scan lässt sich vielleicht frei exportieren, einzelne Design- oder Planungsfunktionen kosten aber extra.
| Hersteller / System | Typischer Einsatz | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Dentsply Sirona (Primescan) | Praxis, Chairside mit CEREC | durchgängiger Workflow bis zur Fertigung aus einer Hand | Funktionsumfang hängt an der CEREC-Softwarelizenz |
| 3Shape (TRIOS) | Praxis, Zusammenarbeit mit Laboren | breite Laboranbindung, Pakete mit und ohne Service-Abo | Folgekosten je nach Paket; Lizenzen an das Hersteller-Konto gebunden |
| Align (iTero) | Praxis, stark in Kieferorthopädie und Aligner-Therapie | enge Verzahnung mit Aligner-Workflows | Serviceplan nach dem ersten Jahr; Cloud-basierter Datenaustausch |
| Medit | Praxis, Einstieg und offene Workflows | offener Export, keine Lizenzgebühr für den Scanner | einzelne Design-Apps nur im Abo |
| Planmeca (Emerald) | Praxis im Planmeca-Umfeld | Integration mit Planmeca-Software und -Fräse | Exportwege zu Fremdsystemen vorab testen |
| Weitere, z. B. Shining 3D, DEXIS | Praxis | oft preislich attraktiv | Laborkompatibilität und Service im Inland prüfen |
| Laborscanner, z. B. 3Shape E-Serie, Medit T-Serie, Amann Girrbach Ceramill Map | Labor | präzise Modelldigitalisierung | kann an die CAD-Lizenz des Herstellers gekoppelt sein |
Fragen Sie vor dem Kauf:
- Kann ich Scans in STL, PLY oder OBJ exportieren – ohne Zusatzlizenz?
- Was kostet das System ab dem zweiten Jahr, und was funktioniert ohne Abo noch?
- Mit welchem Portal oder Format arbeitet mein Labor – und unterstützt es dieses System?
- Läuft die aktuelle Softwareversion auf der mitgelieferten Hardware und Windows-Version?
- Beim Laborscanner: Funktioniert der Scanner auch ohne aktive CAD-Lizenz?
Gebraucht kaufen: Bei Intraoralscannern bestimmt oft der PC bzw. das Betriebssystem, bis zu welcher Softwareversion das Gerät noch aktualisiert werden kann. Ein günstiger Scanner, der auf alter Software festsitzt, wird im Laboraustausch schnell zum Problem. Klären Sie außerdem, ob Lizenz und Hersteller-Konto auf Sie übertragen werden können.
4. Konstruieren: CAD-Software
In der CAD-Software entsteht die Versorgung – von der Einzelkrone über Brücken und Implantatarbeiten bis zu Schienen, Bohrschablonen und Prothesen. Für Labore ist sie das Herzstück; in der Praxis ist sie meist Teil des Chairside-Systems.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege: herstellerunabhängige Software, die viele Scanner und Fertigungsgeräte unterstützt, und systemintegrierte Software, die eng an Scanner und Fräse eines Herstellers gebunden ist. Mindestens so wichtig wie die Funktionen ist das Lizenzmodell: Abo oder Kauflizenz mit Update-Vertrag? Und was passiert, wenn Sie den Update-Vertrag eine Zeit lang aussetzen? Bei manchen Anbietern ist ein späterer Wiedereinstieg mit Nachzahlungen oder einer Reaktivierungsgebühr verbunden.
| Software | Typischer Einsatz | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| exocad (DentalCAD) | Labor, auch Praxis | herstellerunabhängig, unterstützt viele Scanner und Fertigungsgeräte; Basis mehrerer Systeme | Abo oder Kauf mit Update-Vertrag; Pausieren kann später Kosten verursachen |
| 3Shape Dental System | Labor | umfangreiche Module, eng mit TRIOS verbunden | Jahreslizenz inkl. Updates; Lizenzen im Hersteller-Konto |
| Dentsply Sirona CEREC / inLab | Praxis (CEREC), Labor (inLab) | durchgängiger Workflow mit Sirona-Scannern und -Fräsen; inLab kann auch andere Fertigungsgeräte einbinden | stärkste Wirkung im eigenen Ökosystem |
| Amann Girrbach Ceramill Mind | Labor | auf exocad-Basis, abgestimmt auf Ceramill-Geräte | Zusammenspiel mit Fremdgeräten im Einzelfall prüfen |
Fragen Sie vor dem Kauf:
- Abo oder Kauflizenz – und was kostet ein Wiedereinstieg nach einer Pause?
- Welche Scanner und Fertigungsgeräte unterstützt die Software heute, welche sind geplant?
- Ist die Lizenz an einen Dongle, ein Konto oder eine Firma gebunden?
- Welche Module brauche ich wirklich – und welche sind nur „nice to have“?
- Gibt es Schulungen in meiner Nähe? Die Einarbeitung wird oft unterschätzt.
Gebraucht kaufen: Software ist der heikelste Teil beim Gebrauchtkauf. Lassen Sie sich die Übertragbarkeit der Lizenz schriftlich vom Hersteller oder Händler bestätigen und prüfen Sie den Status des Update-Vertrags anhand der Seriennummer.
Wer neu einsteigt oder umsteigt, findet passende Seminare und Fortbildungen zu CAD/CAM.
5. Fertigen I: Fräsen und Schleifen
Fräs- und Schleifmaschinen sind die klassische Fertigungsstation. In der Praxis sind es meist kompakte Chairside-Schleifeinheiten für Inlays, Onlays, Veneers und Einzelkronen aus Blöcken. Im Labor arbeiten Laborfräsen, meist mit fünf Achsen und Werkzeugwechsler, die auch große Ronden für Brücken, Gerüste und Prothesenbasen bearbeiten.
Welche Maschine passt, hängt vor allem davon ab, welche Versorgungen Sie selbst fertigen wollen – denn daraus ergeben sich die Materialien. Inlays, Veneers und Frontzahnkronen aus Glaskeramik wie Lithiumdisilikat werden nass geschliffen, Kronen und Brücken aus Zirkonoxid sowie Provisorien aus PMMA meist trocken gefräst; viele Maschinen können beides, andere sind spezialisiert. Wer Metall (Titan, Kobalt-Chrom) selbst bearbeiten will, braucht eine entsprechend steife Maschine. Denken Sie auch an die Folgegeräte: Zirkonoxid muss gesintert, Lithiumdisilikat kristallisiert werden.
Unterschiede gibt es auch bei der Materialbindung: Manche Hersteller arbeiten mit einer festen Liste validierter Partnermaterialien oder erkennen eigene Rohlinge automatisch, andere setzen bewusst auf offene Systeme. Für Praxen kommt die Wirtschaftlichkeit hinzu: Chairside lohnt sich dort, wo genug Fälle zusammenkommen – und die Stuhlzeit, die Sie selbst am Gerät verbringen, gehört ehrlich in die Rechnung.
| Hersteller / System | Typischer Einsatz | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Dentsply Sirona (CEREC Primemill, inLab MC X5) | Praxis (Primemill), Labor (MC X5) | eingespielter CEREC-Workflow; Materialien vieler validierter Partner | Materialauswahl über Partnerliste, nicht frei |
| Ivoclar (PrograMill) | Labor, teils Praxis | abgestimmt auf Ivoclar-Materialien und -Öfen | Einsatz fremder Rohlinge vorab klären |
| Amann Girrbach (Ceramill Motion, Matik) | Labor | offener Systemansatz, automatisierte Fertigung | Materialfreigaben im Detail prüfen |
| vhf | Labor, auch Praxis | offene Systeme, verarbeitet STL aus offenen CAD-Programmen | Service und Schulung über Partner klären |
| imes-icore, Zirkonzahn, Roland DGA, Schütz Dental | Labor | robuste Laborfräsen, überwiegend offene Datenschnittstellen | Materialfreigaben und Service im Einzelfall prüfen |
| Planmeca (PlanMill) | Praxis im Planmeca-Umfeld | Zusammenspiel mit Planmeca-Scanner und -Software | Anbindung an Fremdsoftware prüfen |
Fragen Sie vor dem Kauf:
- Welche Materialien und Rohlinge sind freigegeben – auch von anderen Herstellern?
- Kann die Fräse Daten aus meiner CAD-Software verarbeiten, und welche CAM-Software ist dabei?
- Nass, trocken oder beides – passend zu meinen Indikationen?
- Wer wartet die Maschine in meiner Region, und was kostet ein Spindeltausch?
- Für Praxen: Wie viele Fälle pro Monat fertige ich realistisch selbst – und rechnet sich das inklusive meiner Zeit am Gerät?
Gebraucht kaufen: Das wichtigste Verschleißteil ist die Spindel. Fragen Sie nach dem Zählerstand der Maschine (nicht nur der Fräszeit), der Wartungshistorie und dem letzten Spindeltausch. Prüfen Sie Fräskammer, Wasserdüsen und – bei Nassschleifern – den Wassertank. Das Baujahr ermitteln Sie am zuverlässigsten über die Seriennummer.
Rohlinge, Ronden und Fräswerkzeuge finden Sie in der Materialbörse CAD/CAM, Spindeln und andere Verschleißteile bei den Ersatzteilen für CAD/CAM.
6. Fertigen II: 3D-Druck
3D-Drucker haben sich in kurzer Zeit in Praxis und Labor etabliert. Typische Anwendungen sind Modelle, Aufbissschienen, Bohrschablonen, Provisorien, individuelle Löffel und zunehmend Prothesenbasen. Im Dentalbereich arbeiten die meisten Geräte mit lichthärtendem Harz (SLA, DLP oder LCD); der Unterschied zu günstigen Hobbydruckern liegt weniger in der Technik als in zertifizierten, biokompatiblen Materialien und validierten Druckeinstellungen.
Die zentrale Frage ist daher das Materialsystem: Manche Drucker arbeiten nur mit Harzen des Herstellers, andere mit einer Liste zertifizierter Partnerharze, wieder andere lassen fremde Harze in einem offenen Modus zu. Mehr Freiheit heißt hier auch mehr Verantwortung – für die Validierung der Einstellungen und unter Umständen mit Einschränkungen bei der Garantie.
Unterschätzt wird oft die Nachbearbeitung: Gedruckte Teile müssen gewaschen und nachgehärtet werden, und beides beeinflusst die Materialeigenschaften erheblich. Planen Sie die passenden Geräte, Platz und Zeit von Anfang an mit ein.
Und: Was Sie für einen Patienten drucken, ist in der Regel eine Sonderanfertigung im Sinne der MDR – mit Dokumentationspflichten. Wer bisher nur Modelle gedruckt hat, sollte sich vor dem ersten Provisorium damit befassen. Einen guten Überblick gibt die Broschüre „Medizinprodukte in der Zahnarztpraxis“ des BDIZ EDI.
| Hersteller | Typischer Einsatz | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Formlabs | Praxis und Labor | großes Materialsortiment, offener Materialmodus verfügbar | bei Fremdharzen eigene Validierung, Garantieeinschränkungen beachten |
| SprintRay | Praxis, Chairside | stark integriertes Ökosystem inkl. Nachbearbeitung | Partnerharze zertifiziert, einzelne Materialien systemgebunden |
| Asiga | Labor und Praxis | offenes Materialsystem mit vielen validierten Fremdharzen | Validierungsliste für Ihre Indikationen prüfen |
| Rapid Shape (auch unter anderen Marken, z. B. SHERAprint) | Labor | validierte Prozesse mit vielen Materialherstellern | nur freigegebene Einstellungen aktiv |
| Weitere, z. B. SHERA, Dreve, Bego, Ackuretta | Labor und Praxis | oft im Paket mit eigenen Materialien | Materialbindung prüfen |
| Stratasys | größere Labore, Fertigungszentren | Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck | Investition und Materialkosten eher für hohe Volumen |
Fragen Sie vor dem Kauf:
- Welche Harze sind für meine Indikationen freigegeben – und von wem?
- Was gilt für die Garantie, wenn ich Fremdharze verwende?
- Welche Wasch- und Nachhärtegeräte brauche ich zusätzlich, und was kosten sie?
- Wie hoch sind die Folgekosten für Harz, Wannen und Folien bei meinem Volumen?
- Wie dokumentiere ich gedruckte Sonderanfertigungen MDR-konform?
Gebraucht kaufen: Achten Sie auf den Zustand von Wanne, Folie und Lichtquelle und darauf, dass das Zubehör zur Nachbearbeitung vollständig ist. Werksüberholte Geräte vom Hersteller sind eine Alternative zwischen neu und gebraucht.
Sie möchten (noch) nicht selbst drucken? Unter Digitale Dienstleistungen finden Sie Anbieter, die 3D-Druck und Fertigung als Dienstleistung übernehmen. Druckmaterialien gibt es in der Materialbörse CAD/CAM.
7. Nachbearbeiten: Sinter- und Keramiköfen
Wer Zirkonoxid fräst, braucht einen Sinterofen: Erst beim Sintern schrumpft das Material auf sein Endmaß und erreicht seine Festigkeit. Für Lithiumdisilikat, Glasuren und Verblendungen kommt ein Keramik- bzw. Kristallisationsofen hinzu. Einige Geräte kombinieren beides, Chairside-Systeme bieten oft eigene Speed-Öfen für kurze Sinterzeiten.
Speed-Sintern ist für Praxen attraktiv, aber materialabhängig: Nicht jedes Zirkon ist für jedes Schnellprogramm freigegeben, und für dickere Restaurationen gelten oft Einschränkungen. Viele Öfen bringen Programme für bestimmte Materialien mit und lassen sich zusätzlich frei programmieren – entscheidend ist, was der Materialhersteller freigibt.
| Hersteller / System | Typischer Einsatz | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Dentsply Sirona (CEREC SpeedFire, inLab Profire) | Praxis (SpeedFire), Labor (Profire) | schnelle Sinterzyklen im CEREC-Workflow | Programme auf validierte Materialien abgestimmt |
| Ivoclar (Programat) | Labor, Praxis | breite Ofenfamilie für Keramik und Sintern, eigene und offene Programme | Abstimmung auf Ivoclar-Materialien |
| Dekema (Austromat) | Labor | Keramik-, Press- und Sinteröfen | Programme für Ihr Material prüfen |
| VITA (Vacumat, Zyrcomat) | Labor | Brenn- und Sinteröfen, abgestimmt auf VITA-Materialien | Fremdmaterialien prüfen |
| Zirkonzahn, Amann Girrbach (Ceramill Therm), Nabertherm | Labor | Sinteröfen, teils für Fremdzirkon ausgelegt | Freigaben für Speed-Programme beim Materialhersteller prüfen |
Fragen Sie vor dem Kauf:
- Ist mein Zirkon für die (Speed-)Programme dieses Ofens freigegeben?
- Welche Programme sind hinterlegt, nd lassen sich eigene anlegen?
- Passt die Kammergröße zu meinem Volumen?
- Wann sind Heizelemente oder Muffel fällig, und was kosten sie?
Gebraucht kaufen: Fragen Sie nach Betriebsstunden bzw. Brennzyklen, dem Zustand der Heizelemente und der letzten Kalibrierung. Bei Keramiköfen ist eine Temperaturkalibrierung nach dem Transport sinnvoll.
Weitere Brenn-, Press- und Laboröfen finden Sie unter Laborgeräte: Öfen.
8. Welches Setup passt zu Ihnen?
Die folgende Übersicht ersetzt keine Beratung, hilft aber bei der Einordnung:
| Ihre Ausgangslage | Sinnvolles Setup | Darauf besonders achten |
|---|---|---|
| Praxis, die digital abformen möchte; das Labor fertigt | Intraoralscanner | offener Export, Kompatibilität mit Ihrem Labor, Folgekosten ab Jahr 2 |
| Praxis mit vielen Einzelzahnversorgungen in einer Sitzung | Scanner + Schleifeinheit + ggf. Speed-Ofen | Fallzahl und eigene Stuhlzeit, integriertes vs. offenes System |
| Praxis mit Schienen, Bohrschablonen und Modellen | Scanner + 3D-Drucker + Wasch- und Härtestation | Harzfreigaben, MDR-Dokumentation |
| Kleines bis mittleres Labor | Laborscanner + CAD-Software + 5-Achs-Fräse + Sinterofen | Materialfreiheit, Lizenzmodell, Service vor Ort |
| Labor mit Kapazitätsengpass | zusätzliche Fräse oder zusätzlicher Drucker – gern gebraucht | Kompatibilität mit Ihrer bestehenden Software und Ihren Materialien |
| Einstieg mit kleinem Budget | Gebrauchtgerät oder Fertigung als Dienstleistung | Lizenzübertragung, Gewährleistung, Zustand |
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9. CAD/CAM gebraucht kaufen – die wichtigsten Prüffragen
Gebrauchte CAD/CAM-Geräte sind eine gute Möglichkeit, günstiger einzusteigen oder Kapazität zu erweitern. Anders als bei rein mechanischen Geräten hängt ihr Wert aber stark an Software und Lizenzen. Diese Punkte sollten Sie vor jedem Kauf klären:
Gerät
- Baujahr anhand der Seriennummer – nicht nur nach Angabe des Verkäufers
- Zählerstand, Betriebsstunden bzw. Brennzyklen und Wartungshistorie
- Zubehör vollständig (z. B. Kalibrierwerkzeug, Halterungen, Nachbearbeitungsgeräte)
Software und Lizenz
- Ist die Lizenz übertragbar? Liegt eine Bestätigung des Herstellers oder Händlers vor?
- Läuft ein Update- oder Servicevertrag, und ist das Gerät auch ohne Abo nutzbar?
- Auf welchem Software- und Betriebssystemstand ist das Gerät – und lässt es sich aktualisieren?
Service und Absicherung
- Liefert der Hersteller noch Ersatzteile und Updates für dieses Modell?
- Gibt es einen Servicepartner in Ihrer Nähe?
- Wurde das Gerät aufbereitet, und gibt es eine Gewährleistung?
Unser Tipp: Lassen Sie ein gebrauchtes Gerät vor dem Kauf von einem Techniker prüfen. Im Verzeichnis für CAD/CAM-Service finden Sie Servicepartner nach Bundesland.
Sie rüsten auf und möchten Ihr bisheriges Gerät abgeben? Erstellen Sie ein Inserat – Praxen und Labore suchen gezielt nach gebrauchten Geräten.
10. Service, Reparatur und Ersatzteile
CAD/CAM-Geräte sind Präzisionsmaschinen – regelmäßige Wartung entscheidet über ihre Lebensdauer. Manches können Sie selbst erledigen: Fräswerkzeuge wechseln, Düsen reinigen, Wannen und Folien beim Drucker tauschen. Spindeln, Kalibrierung, Optik von Scannern und Heizelemente von Öfen gehören dagegen in die Hand eines Fachbetriebs.
Neben dem Hersteller und Ihrem Depot gibt es zahlreiche unabhängige Servicepartner, die CAD/CAM-Systeme, Scanner und 3D-Drucker warten, reparieren und beim Einstieg schulen.
11. Häufige Fragen
Keines ist grundsätzlich besser. Integrierte Systeme bieten einen abgestimmten Workflow und einen Ansprechpartner, binden Sie aber an Software, Material und Service eines Anbieters. Offene Systeme geben Ihnen Wahlfreiheit bei Geräten, Materialien und Laborpartnern, verlangen aber mehr Eigenverantwortung an den Schnittstellen. Viele Systeme liegen heute dazwischen – prüfen Sie jede Schnittstelle einzeln.
Das hängt vor allem von der Zahl der Fälle ab, die Sie selbst fertigen würden, und davon, wie Sie Ihre eigene Zeit am Gerät bewerten. Rechnen Sie Laborkosten, Material, Lizenz- und Servicekosten sowie Ihre Stuhlzeit ehrlich gegeneinander. Ein Gebrauchtgerät kann die Einstiegshürde senken.
Das ist je nach Hersteller unterschiedlich geregelt und oft nicht öffentlich dokumentiert. Lassen Sie sich die Übertragbarkeit vor dem Kauf schriftlich vom Hersteller oder Händler bestätigen und klären Sie, ob ein Service-Abo übernommen oder neu abgeschlossen werden muss.
Entscheidend ist nicht die Fräse, sondern das Material: Prüfen Sie, ob Ihr Zirkon für die Sinterprogramme des Ofens – insbesondere Speed-Programme – vom Materialhersteller freigegeben ist, oder ob sich der Ofen frei programmieren lässt.
Technisch erlauben das viele Drucker, entweder über zertifizierte Partnerharze oder einen offenen Materialmodus. Bei nicht validierten Kombinationen liegt die Verantwortung für Einstellungen und Biokompatibilität bei Ihnen, und die Garantie kann eingeschränkt sein. Für Patientenversorgungen gelten zusätzlich die Dokumentationspflichten der MDR.
Sie nehmen über den Messenger direkt Kontakt mit dem Anbieter auf und vereinbaren Kauf, Zahlung und Versand mit ihm. In unseren Tipps für Käufer erfahren Sie, woran Sie unseriöse Angebote erkennen, wie Sie den Messenger sicher nutzen und verdächtige Chats melden, welche Zahlungswege Sie meiden sollten und wie Sie Versand und Montage organisieren.
Fazit
Die richtige CAD/CAM-Ausstattung beginnt nicht mit dem Gerät, sondern mit Ihrem Workflow: Was fertigen Sie selbst, mit wem tauschen Sie Daten aus, und wie viel Bindung an einen Anbieter passt zu Ihnen? Wer diese Fragen klärt und vor dem Kauf nach Lizenzen, Materialfreigaben und Folgekosten fragt, trifft eine Entscheidung, die auch in fünf Jahren noch trägt – ob mit einem neuen oder einem gebrauchten Gerät.







