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Kiefermodell im Laborscanner, im Hintergrund der digitale Scan am Monitor

Ein Intraoralscanner, eine Fräse oder ein 3D-Drucker allein bringt noch keinen digitalen Workflow. Entscheidend ist, ob die Geräte zusammenpassen – mit Ihrer Software, Ihren Materialien, Ihrem Labor oder Ihren Praxen. Fehlkäufe entstehen deshalb selten am Gerät selbst, sondern an Lizenzen, Dateiformaten, Materialfreigaben und laufenden Kosten, die vorher niemand angesprochen hat.

Dieser Ratgeber geht die digitale Kette Schritt für Schritt durch: Scannen, Konstruieren, Fräsen, Drucken und Sintern. Für jeden Schritt finden Sie die gängigen Varianten mit ihren Stärken und Grenzen, einen herstellerneutralen Überblick und die Fragen, die Sie vor dem Kauf klären sollten – ob neu oder gebraucht.

1. Die digitale Kette im Überblick – und wer was braucht

Keramikblock wird in eine Chairside-Schleifeinheit eingesetzt

Jede CAD/CAM-Versorgung durchläuft dieselben vier Stationen:

  1. Scannen – die Situation wird digital erfasst, im Mund oder am Modell.
  2. Konstruieren – die Versorgung wird am Bildschirm gestaltet.
  3. Fertigen – eine Fräse trägt Material aus einem Rohling ab, ein 3D-Drucker baut es Schicht für Schicht auf.
  4. Nachbearbeiten – Zirkonoxid und Lithiumdisilikat erreichen ihre Endfestigkeit erst im Ofen, gedruckte Teile müssen gewaschen und nachgehärtet werden.

Wer welche Station übernimmt, ist der eigentliche Kern Ihrer Kaufentscheidung:

  • Die Praxis scannt, konstruiert und fertigt selbst, oft in einer Sitzung.
  • Die Praxis scannt (oder formt konventionell ab), das Labor konstruiert und fertigt.
  • Dazwischen gibt es jede Mischform – etwa die Praxis, die Schienen und Modelle selbst druckt, Kronen aber weiterhin beim Labor bestellt.

Deshalb lohnt es sich, vor dem Gerät die Rollen zu klären: Was fertigen Sie selbst, was gibt es außer Haus – und mit wem tauschen Sie Daten aus?

2. Offen oder geschlossen? Die wichtigste Entscheidung vorab

Bevor es um einzelne Geräte geht, steht eine Grundsatzfrage: Wollen Sie ein integriertes System aus einer Hand oder offene Komponenten, die Sie frei kombinieren?

Integrierte (geschlossene) Systeme sind aufeinander abgestimmt: Scanner, Software, Fertigungsgerät und Materialien kommen vom selben Anbieter oder aus einem festen Partnernetz. Das bringt einen eingespielten Workflow – validierte Materialien und einen Ansprechpartner für alles. Der Preis dafür ist Bindung: an die Software und deren Lizenzmodell, an freigegebene Materialien und an den Service des Anbieters. Die laufenden Kosten liegen bei geschlossenen Systemen häufig höher.

Offene Systeme lassen Sie Scanner, Software, Fräse, Drucker und Material frei wählen und mit jedem Labor zusammenarbeiten. Dafür tragen Sie mehr Verantwortung: Schnittstellen müssen funktionieren, und wer Fremdmaterialien einsetzt, ist für deren Validierung mitverantwortlich – beim 3D-Druck auch im Sinne der Medizinprodukte-Verordnung (MDR).

Wichtige Info zu offenen und integrierten Systemen:

Viele Systeme exportieren Scandaten inzwischen in Standardformaten, binden aber Design-Funktionen, Materialien oder Updates an Lizenzen. Schauen Sie deshalb an jeder Schnittstelle einzeln hin:

SchnittstelleWorauf es ankommt
Scanner → Labor/CADExport in STL, PLY oder OBJ, ohne Zusatzlizenz? Unterstützt Ihr Labor das Portal des Herstellers?
CAD → Fräse/DruckerKann das Fertigungsgerät Daten aus fremder CAD-Software verarbeiten?
Fräse → MaterialNur Rohlinge des Herstellers bzw. seiner Partner oder auch andere?
Drucker → HarzGeschlossenes Materialsystem, zertifizierte Partnerharze oder freie Harzwahl?
Ofen → ZirkonSind die Sinterprogramme für Ihr Material freigegeben oder frei programmierbar?
Lizenz → WeiterverkaufIst die Software an Gerät, Person oder Firma gebunden – und übertragbar?

3. Scannen: Intraoralscanner und Laborscanner

Zahnärztin erstellt eine digitale Abformung mit dem Intraoralscanner, der Scan erscheint am Monitor

Intraoralscanner ersetzen in der Praxis die konventionelle Abformung. Sie sind der häufigste Einstieg in die digitale Kette – auch für Praxen, die selbst nichts fertigen, sondern die Daten ans Labor schicken. Laborscanner (Modellscanner) digitalisieren im Labor Gipsmodelle und Abformungen und sind dort das Bindeglied zu Praxen, die noch analog arbeiten.

Bei Intraoralscannern unterscheiden sich die Geräte heute weniger in der Grundfunktion als in Handhabung (Größe und Gewicht des Handstücks, kabelgebunden oder kabellos, Cart oder Laptop) und vor allem im Kosten- und Lizenzmodell. Manche Hersteller setzen ab dem zweiten Jahr auf ein Service- oder Software-Abo, andere bieten Varianten ohne laufende Kosten. Auch „offener Export“ heißt nicht automatisch, dass alles offen ist: Der Scan lässt sich vielleicht frei exportieren, einzelne Design- oder Planungsfunktionen kosten aber extra.

Hersteller / SystemTypischer EinsatzStärkeZu beachten
Dentsply Sirona (Primescan)Praxis, Chairside mit CERECdurchgängiger Workflow bis zur Fertigung aus einer HandFunktionsumfang hängt an der CEREC-Softwarelizenz
3Shape (TRIOS)Praxis, Zusammenarbeit mit Laborenbreite Laboranbindung, Pakete mit und ohne Service-AboFolgekosten je nach Paket; Lizenzen an das Hersteller-Konto gebunden
Align (iTero)Praxis, stark in Kieferorthopädie und Aligner-Therapieenge Verzahnung mit Aligner-WorkflowsServiceplan nach dem ersten Jahr; Cloud-basierter Datenaustausch
MeditPraxis, Einstieg und offene Workflowsoffener Export, keine Lizenzgebühr für den Scannereinzelne Design-Apps nur im Abo
Planmeca (Emerald)Praxis im Planmeca-UmfeldIntegration mit Planmeca-Software und -FräseExportwege zu Fremdsystemen vorab testen
Weitere, z. B. Shining 3D, DEXISPraxisoft preislich attraktivLaborkompatibilität und Service im Inland prüfen
Laborscanner, z. B. 3Shape E-Serie, Medit T-Serie, Amann Girrbach Ceramill MapLaborpräzise Modelldigitalisierungkann an die CAD-Lizenz des Herstellers gekoppelt sein

Fragen Sie vor dem Kauf:

  • Kann ich Scans in STL, PLY oder OBJ exportieren – ohne Zusatzlizenz?
  • Was kostet das System ab dem zweiten Jahr, und was funktioniert ohne Abo noch?
  • Mit welchem Portal oder Format arbeitet mein Labor – und unterstützt es dieses System?
  • Läuft die aktuelle Softwareversion auf der mitgelieferten Hardware und Windows-Version?
  • Beim Laborscanner: Funktioniert der Scanner auch ohne aktive CAD-Lizenz?

Gebraucht kaufen: Bei Intraoralscannern bestimmt oft der PC bzw. das Betriebssystem, bis zu welcher Softwareversion das Gerät noch aktualisiert werden kann. Ein günstiger Scanner, der auf alter Software festsitzt, wird im Laboraustausch schnell zum Problem. Klären Sie außerdem, ob Lizenz und Hersteller-Konto auf Sie übertragen werden können.

4. Konstruieren: CAD-Software

Zahntechniker konstruiert eine Versorgung in der CAD-Software

In der CAD-Software entsteht die Versorgung – von der Einzelkrone über Brücken und Implantatarbeiten bis zu Schienen, Bohrschablonen und Prothesen. Für Labore ist sie das Herzstück; in der Praxis ist sie meist Teil des Chairside-Systems.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege: herstellerunabhängige Software, die viele Scanner und Fertigungsgeräte unterstützt, und systemintegrierte Software, die eng an Scanner und Fräse eines Herstellers gebunden ist. Mindestens so wichtig wie die Funktionen ist das Lizenzmodell: Abo oder Kauflizenz mit Update-Vertrag? Und was passiert, wenn Sie den Update-Vertrag eine Zeit lang aussetzen? Bei manchen Anbietern ist ein späterer Wiedereinstieg mit Nachzahlungen oder einer Reaktivierungsgebühr verbunden.

SoftwareTypischer EinsatzStärkeZu beachten
exocad (DentalCAD)Labor, auch Praxisherstellerunabhängig, unterstützt viele Scanner und Fertigungsgeräte; Basis mehrerer SystemeAbo oder Kauf mit Update-Vertrag; Pausieren kann später Kosten verursachen
3Shape Dental SystemLaborumfangreiche Module, eng mit TRIOS verbundenJahreslizenz inkl. Updates; Lizenzen im Hersteller-Konto
Dentsply Sirona CEREC / inLabPraxis (CEREC), Labor (inLab)durchgängiger Workflow mit Sirona-Scannern und -Fräsen; inLab kann auch andere Fertigungsgeräte einbindenstärkste Wirkung im eigenen Ökosystem
Amann Girrbach Ceramill MindLaborauf exocad-Basis, abgestimmt auf Ceramill-GeräteZusammenspiel mit Fremdgeräten im Einzelfall prüfen

Fragen Sie vor dem Kauf:

  • Abo oder Kauflizenz – und was kostet ein Wiedereinstieg nach einer Pause?
  • Welche Scanner und Fertigungsgeräte unterstützt die Software heute, welche sind geplant?
  • Ist die Lizenz an einen Dongle, ein Konto oder eine Firma gebunden?
  • Welche Module brauche ich wirklich – und welche sind nur „nice to have“?
  • Gibt es Schulungen in meiner Nähe? Die Einarbeitung wird oft unterschätzt.

Gebraucht kaufen: Software ist der heikelste Teil beim Gebrauchtkauf. Lassen Sie sich die Übertragbarkeit der Lizenz schriftlich vom Hersteller oder Händler bestätigen und prüfen Sie den Status des Update-Vertrags anhand der Seriennummer.

Wer neu einsteigt oder umsteigt, findet passende Seminare und Fortbildungen zu CAD/CAM.

5. Fertigen I: Fräsen und Schleifen

Laborfräse bearbeitet eine Ronde mit mehreren Kronen

Fräs- und Schleifmaschinen sind die klassische Fertigungsstation. In der Praxis sind es meist kompakte Chairside-Schleifeinheiten für Inlays, Onlays, Veneers und Einzelkronen aus Blöcken. Im Labor arbeiten Laborfräsen, meist mit fünf Achsen und Werkzeugwechsler, die auch große Ronden für Brücken, Gerüste und Prothesenbasen bearbeiten.

Welche Maschine passt, hängt vor allem davon ab, welche Versorgungen Sie selbst fertigen wollen – denn daraus ergeben sich die Materialien. Inlays, Veneers und Frontzahnkronen aus Glaskeramik wie Lithiumdisilikat werden nass geschliffen, Kronen und Brücken aus Zirkonoxid sowie Provisorien aus PMMA meist trocken gefräst; viele Maschinen können beides, andere sind spezialisiert. Wer Metall (Titan, Kobalt-Chrom) selbst bearbeiten will, braucht eine entsprechend steife Maschine. Denken Sie auch an die Folgegeräte: Zirkonoxid muss gesintert, Lithiumdisilikat kristallisiert werden.

Unterschiede gibt es auch bei der Materialbindung: Manche Hersteller arbeiten mit einer festen Liste validierter Partnermaterialien oder erkennen eigene Rohlinge automatisch, andere setzen bewusst auf offene Systeme. Für Praxen kommt die Wirtschaftlichkeit hinzu: Chairside lohnt sich dort, wo genug Fälle zusammenkommen – und die Stuhlzeit, die Sie selbst am Gerät verbringen, gehört ehrlich in die Rechnung.

Hersteller / SystemTypischer EinsatzStärkeZu beachten
Dentsply Sirona (CEREC Primemill, inLab MC X5)Praxis (Primemill), Labor (MC X5)eingespielter CEREC-Workflow; Materialien vieler validierter PartnerMaterialauswahl über Partnerliste, nicht frei
Ivoclar (PrograMill)Labor, teils Praxisabgestimmt auf Ivoclar-Materialien und -ÖfenEinsatz fremder Rohlinge vorab klären
Amann Girrbach (Ceramill Motion, Matik)Laboroffener Systemansatz, automatisierte FertigungMaterialfreigaben im Detail prüfen
vhfLabor, auch Praxisoffene Systeme, verarbeitet STL aus offenen CAD-ProgrammenService und Schulung über Partner klären
imes-icore, Zirkonzahn, Roland DGA, Schütz DentalLaborrobuste Laborfräsen, überwiegend offene DatenschnittstellenMaterialfreigaben und Service im Einzelfall prüfen
Planmeca (PlanMill)Praxis im Planmeca-UmfeldZusammenspiel mit Planmeca-Scanner und -SoftwareAnbindung an Fremdsoftware prüfen

Fragen Sie vor dem Kauf:

  • Welche Materialien und Rohlinge sind freigegeben – auch von anderen Herstellern?
  • Kann die Fräse Daten aus meiner CAD-Software verarbeiten, und welche CAM-Software ist dabei?
  • Nass, trocken oder beides – passend zu meinen Indikationen?
  • Wer wartet die Maschine in meiner Region, und was kostet ein Spindeltausch?
  • Für Praxen: Wie viele Fälle pro Monat fertige ich realistisch selbst – und rechnet sich das inklusive meiner Zeit am Gerät?

Gebraucht kaufen: Das wichtigste Verschleißteil ist die Spindel. Fragen Sie nach dem Zählerstand der Maschine (nicht nur der Fräszeit), der Wartungshistorie und dem letzten Spindeltausch. Prüfen Sie Fräskammer, Wasserdüsen und – bei Nassschleifern – den Wassertank. Das Baujahr ermitteln Sie am zuverlässigsten über die Seriennummer.

Rohlinge, Ronden und Fräswerkzeuge finden Sie in der Materialbörse CAD/CAM, Spindeln und andere Verschleißteile bei den Ersatzteilen für CAD/CAM.

6. Fertigen II: 3D-Druck

3D-gedruckte Kiefermodelle auf der Bauplattform eines Dentaldruckers

3D-Drucker haben sich in kurzer Zeit in Praxis und Labor etabliert. Typische Anwendungen sind Modelle, Aufbissschienen, Bohrschablonen, Provisorien, individuelle Löffel und zunehmend Prothesenbasen. Im Dentalbereich arbeiten die meisten Geräte mit lichthärtendem Harz (SLA, DLP oder LCD); der Unterschied zu günstigen Hobbydruckern liegt weniger in der Technik als in zertifizierten, biokompatiblen Materialien und validierten Druckeinstellungen.

Die zentrale Frage ist daher das Materialsystem: Manche Drucker arbeiten nur mit Harzen des Herstellers, andere mit einer Liste zertifizierter Partnerharze, wieder andere lassen fremde Harze in einem offenen Modus zu. Mehr Freiheit heißt hier auch mehr Verantwortung – für die Validierung der Einstellungen und unter Umständen mit Einschränkungen bei der Garantie.

Unterschätzt wird oft die Nachbearbeitung: Gedruckte Teile müssen gewaschen und nachgehärtet werden, und beides beeinflusst die Materialeigenschaften erheblich. Planen Sie die passenden Geräte, Platz und Zeit von Anfang an mit ein.

Und: Was Sie für einen Patienten drucken, ist in der Regel eine Sonderanfertigung im Sinne der MDR – mit Dokumentationspflichten. Wer bisher nur Modelle gedruckt hat, sollte sich vor dem ersten Provisorium damit befassen. Einen guten Überblick gibt die Broschüre „Medizinprodukte in der Zahnarztpraxis“ des BDIZ EDI.

HerstellerTypischer EinsatzStärkeZu beachten
FormlabsPraxis und Laborgroßes Materialsortiment, offener Materialmodus verfügbarbei Fremdharzen eigene Validierung, Garantieeinschränkungen beachten
SprintRayPraxis, Chairsidestark integriertes Ökosystem inkl. NachbearbeitungPartnerharze zertifiziert, einzelne Materialien systemgebunden
AsigaLabor und Praxisoffenes Materialsystem mit vielen validierten FremdharzenValidierungsliste für Ihre Indikationen prüfen
Rapid Shape (auch unter anderen Marken, z. B. SHERAprint)Laborvalidierte Prozesse mit vielen Materialherstellernnur freigegebene Einstellungen aktiv
Weitere, z. B. SHERA, Dreve, Bego, AckurettaLabor und Praxisoft im Paket mit eigenen MaterialienMaterialbindung prüfen
Stratasysgrößere Labore, FertigungszentrenMehrfarben- und MehrmaterialdruckInvestition und Materialkosten eher für hohe Volumen

Fragen Sie vor dem Kauf:

  • Welche Harze sind für meine Indikationen freigegeben – und von wem?
  • Was gilt für die Garantie, wenn ich Fremdharze verwende?
  • Welche Wasch- und Nachhärtegeräte brauche ich zusätzlich, und was kosten sie?
  • Wie hoch sind die Folgekosten für Harz, Wannen und Folien bei meinem Volumen?
  • Wie dokumentiere ich gedruckte Sonderanfertigungen MDR-konform?

Gebraucht kaufen: Achten Sie auf den Zustand von Wanne, Folie und Lichtquelle und darauf, dass das Zubehör zur Nachbearbeitung vollständig ist. Werksüberholte Geräte vom Hersteller sind eine Alternative zwischen neu und gebraucht.

Sie möchten (noch) nicht selbst drucken? Unter Digitale Dienstleistungen finden Sie Anbieter, die 3D-Druck und Fertigung als Dienstleistung übernehmen. Druckmaterialien gibt es in der Materialbörse CAD/CAM.

7. Nachbearbeiten: Sinter- und Keramiköfen

Zahntechniker setzt Kronen auf dem Brenngutträger in einen Dentalofen

Wer Zirkonoxid fräst, braucht einen Sinterofen: Erst beim Sintern schrumpft das Material auf sein Endmaß und erreicht seine Festigkeit. Für Lithiumdisilikat, Glasuren und Verblendungen kommt ein Keramik- bzw. Kristallisationsofen hinzu. Einige Geräte kombinieren beides, Chairside-Systeme bieten oft eigene Speed-Öfen für kurze Sinterzeiten.

Speed-Sintern ist für Praxen attraktiv, aber materialabhängig: Nicht jedes Zirkon ist für jedes Schnellprogramm freigegeben, und für dickere Restaurationen gelten oft Einschränkungen. Viele Öfen bringen Programme für bestimmte Materialien mit und lassen sich zusätzlich frei programmieren – entscheidend ist, was der Materialhersteller freigibt.

Hersteller / SystemTypischer EinsatzStärkeZu beachten
Dentsply Sirona (CEREC SpeedFire, inLab Profire)Praxis (SpeedFire), Labor (Profire)schnelle Sinterzyklen im CEREC-WorkflowProgramme auf validierte Materialien abgestimmt
Ivoclar (Programat)Labor, Praxisbreite Ofenfamilie für Keramik und Sintern, eigene und offene ProgrammeAbstimmung auf Ivoclar-Materialien
Dekema (Austromat)LaborKeramik-, Press- und SinteröfenProgramme für Ihr Material prüfen
VITA (Vacumat, Zyrcomat)LaborBrenn- und Sinteröfen, abgestimmt auf VITA-MaterialienFremdmaterialien prüfen
Zirkonzahn, Amann Girrbach (Ceramill Therm), NaberthermLaborSinteröfen, teils für Fremdzirkon ausgelegtFreigaben für Speed-Programme beim Materialhersteller prüfen

Fragen Sie vor dem Kauf:

  • Ist mein Zirkon für die (Speed-)Programme dieses Ofens freigegeben?
  • Welche Programme sind hinterlegt, nd lassen sich eigene anlegen?
  • Passt die Kammergröße zu meinem Volumen?
  • Wann sind Heizelemente oder Muffel fällig, und was kosten sie?

Gebraucht kaufen: Fragen Sie nach Betriebsstunden bzw. Brennzyklen, dem Zustand der Heizelemente und der letzten Kalibrierung. Bei Keramiköfen ist eine Temperaturkalibrierung nach dem Transport sinnvoll.

Weitere Brenn-, Press- und Laboröfen finden Sie unter Laborgeräte: Öfen.

8. Welches Setup passt zu Ihnen?

Die folgende Übersicht ersetzt keine Beratung, hilft aber bei der Einordnung:

Ihre AusgangslageSinnvolles SetupDarauf besonders achten
Praxis, die digital abformen möchte; das Labor fertigtIntraoralscanneroffener Export, Kompatibilität mit Ihrem Labor, Folgekosten ab Jahr 2
Praxis mit vielen Einzelzahnversorgungen in einer SitzungScanner + Schleifeinheit + ggf. Speed-OfenFallzahl und eigene Stuhlzeit, integriertes vs. offenes System
Praxis mit Schienen, Bohrschablonen und ModellenScanner + 3D-Drucker + Wasch- und HärtestationHarzfreigaben, MDR-Dokumentation
Kleines bis mittleres LaborLaborscanner + CAD-Software + 5-Achs-Fräse + SinterofenMaterialfreiheit, Lizenzmodell, Service vor Ort
Labor mit Kapazitätsengpasszusätzliche Fräse oder zusätzlicher Drucker – gern gebrauchtKompatibilität mit Ihrer bestehenden Software und Ihren Materialien
Einstieg mit kleinem BudgetGebrauchtgerät oder Fertigung als DienstleistungLizenzübertragung, Gewährleistung, Zustand

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9. CAD/CAM gebraucht kaufen – die wichtigsten Prüffragen

Gebrauchte CAD/CAM-Geräte sind eine gute Möglichkeit, günstiger einzusteigen oder Kapazität zu erweitern. Anders als bei rein mechanischen Geräten hängt ihr Wert aber stark an Software und Lizenzen. Diese Punkte sollten Sie vor jedem Kauf klären:

Gerät

  • Baujahr anhand der Seriennummer – nicht nur nach Angabe des Verkäufers
  • Zählerstand, Betriebsstunden bzw. Brennzyklen und Wartungshistorie
  • Zubehör vollständig (z. B. Kalibrierwerkzeug, Halterungen, Nachbearbeitungsgeräte)

Software und Lizenz

  • Ist die Lizenz übertragbar? Liegt eine Bestätigung des Herstellers oder Händlers vor?
  • Läuft ein Update- oder Servicevertrag, und ist das Gerät auch ohne Abo nutzbar?
  • Auf welchem Software- und Betriebssystemstand ist das Gerät – und lässt es sich aktualisieren?

Service und Absicherung

  • Liefert der Hersteller noch Ersatzteile und Updates für dieses Modell?
  • Gibt es einen Servicepartner in Ihrer Nähe?
  • Wurde das Gerät aufbereitet, und gibt es eine Gewährleistung?

Unser Tipp: Lassen Sie ein gebrauchtes Gerät vor dem Kauf von einem Techniker prüfen. Im Verzeichnis für CAD/CAM-Service finden Sie Servicepartner nach Bundesland.

Sie rüsten auf und möchten Ihr bisheriges Gerät abgeben? Erstellen Sie ein Inserat – Praxen und Labore suchen gezielt nach gebrauchten Geräten.

10. Service, Reparatur und Ersatzteile

CAD/CAM-Geräte sind Präzisionsmaschinen – regelmäßige Wartung entscheidet über ihre Lebensdauer. Manches können Sie selbst erledigen: Fräswerkzeuge wechseln, Düsen reinigen, Wannen und Folien beim Drucker tauschen. Spindeln, Kalibrierung, Optik von Scannern und Heizelemente von Öfen gehören dagegen in die Hand eines Fachbetriebs.

Neben dem Hersteller und Ihrem Depot gibt es zahlreiche unabhängige Servicepartner, die CAD/CAM-Systeme, Scanner und 3D-Drucker warten, reparieren und beim Einstieg schulen.

11. Häufige Fragen

Offenes oder geschlossenes CAD/CAM-System – was ist besser? 

Keines ist grundsätzlich besser. Integrierte Systeme bieten einen abgestimmten Workflow und einen Ansprechpartner, binden Sie aber an Software, Material und Service eines Anbieters. Offene Systeme geben Ihnen Wahlfreiheit bei Geräten, Materialien und Laborpartnern, verlangen aber mehr Eigenverantwortung an den Schnittstellen. Viele Systeme liegen heute dazwischen – prüfen Sie jede Schnittstelle einzeln.

Lohnt sich Chairside-CAD/CAM für meine Praxis?

Das hängt vor allem von der Zahl der Fälle ab, die Sie selbst fertigen würden, und davon, wie Sie Ihre eigene Zeit am Gerät bewerten. Rechnen Sie Laborkosten, Material, Lizenz- und Servicekosten sowie Ihre Stuhlzeit ehrlich gegeneinander. Ein Gebrauchtgerät kann die Einstiegshürde senken.

Kann ich einen gebrauchten Intraoralscanner mit Lizenz übernehmen?

Das ist je nach Hersteller unterschiedlich geregelt und oft nicht öffentlich dokumentiert. Lassen Sie sich die Übertragbarkeit vor dem Kauf schriftlich vom Hersteller oder Händler bestätigen und klären Sie, ob ein Service-Abo übernommen oder neu abgeschlossen werden muss.

Welcher Ofen passt zu meiner Fräse und meinem Zirkon? 

Entscheidend ist nicht die Fräse, sondern das Material: Prüfen Sie, ob Ihr Zirkon für die Sinterprogramme des Ofens – insbesondere Speed-Programme – vom Materialhersteller freigegeben ist, oder ob sich der Ofen frei programmieren lässt.

Darf ich in meinem Dentaldrucker Fremdharze verwenden? 

Technisch erlauben das viele Drucker, entweder über zertifizierte Partnerharze oder einen offenen Materialmodus. Bei nicht validierten Kombinationen liegt die Verantwortung für Einstellungen und Biokompatibilität bei Ihnen, und die Garantie kann eingeschränkt sein. Für Patientenversorgungen gelten zusätzlich die Dokumentationspflichten der MDR.

Wie läuft der Kauf über blaudental.de ab, und ist meine Transaktion sicher? 

Sie nehmen über den Messenger direkt Kontakt mit dem Anbieter auf und vereinbaren Kauf, Zahlung und Versand mit ihm. In unseren Tipps für Käufer erfahren Sie, woran Sie unseriöse Angebote erkennen, wie Sie den Messenger sicher nutzen und verdächtige Chats melden, welche Zahlungswege Sie meiden sollten und wie Sie Versand und Montage organisieren.


Fazit

Die richtige CAD/CAM-Ausstattung beginnt nicht mit dem Gerät, sondern mit Ihrem Workflow: Was fertigen Sie selbst, mit wem tauschen Sie Daten aus, und wie viel Bindung an einen Anbieter passt zu Ihnen? Wer diese Fragen klärt und vor dem Kauf nach Lizenzen, Materialfreigaben und Folgekosten fragt, trifft eine Entscheidung, die auch in fünf Jahren noch trägt – ob mit einem neuen oder einem gebrauchten Gerät.